Annette fragte am 26.08.2018: Hallo Dr. T, wir haben auf unserem Acker selbst ausgesähten Spitzkohl der langsam immer größer wird. Irgendwie bleiben die Blätter aber ganz locker (wie ein Kopfsalat) und nicht so eng wie bei gekauftem Spitzkohl. Das war bei unserem Eisbergsalat auch schon so. Ist das normal bei “selbst angebautem Gemüse” oder machen wir irgendwas falsch? Viele Grüße Familie Becker aus Hamburg

Dr T antwortete am 31.08.2018:

Hallo Annette, die Kohlgemüse gehören zu den stark zehrenden Pflanzen, d.h. sie haben einen hohen Nährstoff- und Platzbedarf. Außerdem sind sie dankbar für vollen Lichtgenuss und intensive Pflege: Vor allem hacken sollte man die Fläche regelmäßig, sie unkrautfrei halten und welkes Laub entfernen, doch auch das Wässern darf nicht zu kurz kommen. Leider war kein Bild beigefügt, dem man weitere mögliche Ursachen für das Versagen der Pflanzen an dem konkreten Standort entnehmen könnte. Hoch domestizierte Kulturpflanzen – zu denen eben auch Spitzkohl und Eissalat gehören – reagieren wesentlich empfindlicher auf suboptimale Bedingungen als ursprünglichere Nutzungsformen oder gar Wildpflanzen. Grünkohl und Kohlrabi beispielsweise sind viel robuster. Diese Gründe haben uns denn auch bewogen, Eissalat und Kopfkohl nicht in die Fruchtfolgen der Kitas und Schulen aufzunehmen. Stimmen alle Bedingungen, gerät auch selbst gesätes Gemüse gut, oft sogar besser als im Handel erhältliches.

Noch ein Wort zu Deinem Kommentar betreffs Zuckerhutkraut. Ja, es ist tatsächlich kein Kohlgewächs und auch kein Salat, gehört vielmehr zu den Zichorien, ist also mit Puntarelle, Radicchio, Wegwarte und Wurzelzichorie verwandt. Die Bitterstoffe gelten als sehr gesund und appetitanregend. Vor allem in Mischsalaten nimmt es sich gut aus, wird jedoch in Deutschland leider viel zu selten konsumiert. Je weiter man nach Süden kommt, desto eher kommen auch bittere Blattsalate auf den Tisch und werden gerade bei hohen Temperaturen sehr gern gegessen.
Viele Grüße nach Hamburg!

t.