Katharina Kühnel

Was macht einen guten Boden aus?

Rund 12.700 km Durchmesser hat unser Planet. Etwa 71 % der Erdoberfläche, der Erdkruste, sind mit Wasser bedeckt – und der Meeresspiegel steigt beständig. Gegenwärtig sind noch 29 % Festland, doch nur 9,6 % können als Ackerfläche genutzt werden. Den Rest nehmen Gebirge, Wälder, Wüsten, Binnengewässer, bebaute und Verkehrsflächen ein.

Der Boden, also jene Schicht der Erdoberfläche, in der Pflanzen wurzeln, kann mehrere Meter dick oder nur wenige Zentimeter dünn sein. Nach unten wird der Boden von Gestein begrenzt, und nur die obere Schicht enthält den fruchtbaren Humus. Noch heute sprechen wir von „Muttererde“, wenn wir über diese wenigen Handbreit Boden sprechen, denn hauptsächlich diese kostbare Humusschicht ist es, die Pflanzen, Tiere und Menschen ernährt. Daher sollte sich alle Aufmerksamkeit und Sorgfalt der Landwirte und Gärtner auf sie richten. Wo die Humusschicht in gutem Zustand ist, dort sind Äcker und Gärten besonders fruchtbar.

Entstanden ist dieses lebendige und Nahrung spendende Material in Millionen von Jahren, und seine Zusammensetzung ist überall auf der Welt unterschiedlich. Die jeweiligen Nährstoffe, die der Boden in sich trägt, hängen davon ab, aus welchen Gesteinen er ursprünglich entstanden ist und wie stark sie durch Temperatur, Wind und Wasser verwittert sind. Die „gelben Erden in China“ oder auch die besonders fruchtbaren Böden der Börde-Landschaften zeichnen sich z.B. durch feines Gesteinsmehl – sogenannten Löss – aus, das durch den Wind oder sich ausbreitende und zurückziehende Gletscher transportiert wird.

Wie jeder bezeugen kann, der einmal seine Hand in frischen Gartenboden gesteckt hat, besteht der Boden nicht allein aus Stein und Sand: Im und auf dem Boden leben unzählige Lebewesen. Untersucht man nur einen Quadratmeter durchschnittlichen Ackerboden, und das auch nur etwa einen Spatenstich tief, so findet man mehr Lebewesen darin, als es Menschen auf der Welt gibt: Billionen von Bakterien, Milliarden von Strahlenpilzen, Pilzen und Algen. Hinzu kommen dann noch hunderte von Springschwänzen, Ringelwürmern, Regenwürmern, Asseln, usw. „Normale“, konventionell bewirtschaftete Ackerböden zeichnen sich nicht einmal durch besonderen Artenreichtum aus, eher im Gegenteil. Ihr könnt unterschiedliche Bodenproben ja selbst einmal untersuchen und ihre Lebewelt vergleichen.

Pflanzen und Tiere beleben unsere Erde: Aus organischen Abfällen entsteht stets aufs Neue jene kostbare obere Erdschicht. Das vollendete Beispiel dieser natürlichen Humusbildung ist der Mischwaldboden: Hier erneuert und stabilisiert die Natur in einem ständigen Kreislauf den Bestand an lebendiger Erde. Einmal großflächig gestört, braucht es über 500 Jahre, bis sich die ursprüngliche Artenvielfalt wiedereinstellt. Was gibt es schöneres, als einen Waldspaziergang, wenn die Luft erfüllt ist von diesem unverwechselbaren, warmen, würzig-erdigen Duft, einer Mischung aus Pilzaromen, Humus, aus grünen und verrottenden Pflanzenteilen?

Selbst im Winter, wenn in unseren Breiten alles gefroren oder klitschnass ist, kann man unter den Nadeln und dem Laub, zwischen Farnen und welken Kräutern etwas Boden in die Hand nehmen, ihn zerbröseln, betrachten und daran riechen: Unter Buchen, Linden und Tannen, unter Eichen, Ahornen, Birken und Kiefern, unter Pappeln, Weiden und Fichten – überall ist er etwas anders beschaffen: Bald lehmig-tonig, dann wieder eher sandig, doch immer mit einem besonderen, charakteristischen Geruch nach Erde.