Die Mittel und Wege, mit denen Pflanzen ihre Samen verbreiten, sind enorm vielfältig. Die Aktiven von ihnen schleudern ihre Samen aus eigener Kraft in die Gegend – wie das Springkraut etwa, mit welchem die Kinder so gern spielen. Andere nutzen den Wind – wie etwa der Löwenzahn – oder Tiere, um in ihrem Fell größere Strecken zurückzulegen, wie es die Kletten tun.

Seit der Zeit der Jäger und Sammler wird Saatgut von uns Menschen gesammelt und wieder ausgesät. Zu Beginn unabsichtlich, später immer gezielter. So sind aus Wildpflanzen Kulturpflanzen entstanden.

Die Samen vieler Pflanzenarten sind direkt nach der Reife noch nicht keimfähig. Sie befinden sich in der Keimruhe und warten nach deren Ablauf darauf, dass bestimmte Umweltreize und -bedingungen den Startschuss für die Keimung geben. Erst wenn der Keimling optimale Wachstumschancen hat, wird der Samen aufgehen. Die spezifischen Bedingungen jedes Samens sind wohl ebenso vielfältig wie die Natur selbst. Jeder Samen wartet auf das richtige Verhältnis von Wärme, Wasser, Licht (oder Abwesenheit von Licht) und Sauerstoff, bevor er beginnt zu keimen. Dieser Unterschiedlichkeit tragen wir auch im Garten Rechnung, wo wir unser Saatgut zu unterschiedlichen Zeitpunkten und auf unterschiedliche Weise aussäen.

Alles startet unterirdisch

Ackerdemia e.V.

Sind die richtigen Bedingungen gegeben, beginnt die Keimung. Der Samen nimmt Feuchtigkeit aus seiner Umgebung auf und der pflanzliche Embryo beginnt zu wachsen. Anfangs verfügt der Samen noch selbst über die benötigten Nährstoffe, um den Embryo zu versorgen. Er bildet eine erste Wurzel aus, die sogenannte Keimwurzel. Mit ihr verankert sich die Pflanze in der Erde und nimmt von nun an Wasser sowie Nährstoffe aus der Umgebung auf.

Im nächsten Schritt streckt sich der unterste Sprossabschnitt zwischen Wurzel und den Keimblättern – das sogenannte Hypokotyl. So gelangen die Keim- und die Folgeblätter ans Licht. Die Wurzel zeigt ein positiv geotropes Wachstum, das zum Erdmittelpunkt zielt. Der Hauptspross hingegen wächst negativ geotrop – also vom Erdmittelpunkt weg. Seitenwurzeln, -sprosse und Blätter sind arten- und sortentypisch ausgebildet und angeordnet.

Die Keimblätter unterscheiden sich von den Folgeblättern der Pflanze. Sie zu erkennen ist auch für das Gärtnern hilfreich, denn nach ihnen richtet sie die Höhe, in der die Jungpflanzen in den Boden gesetzt werden. Bei Kohlrabi beispielsweise sollten die Jungpflanzen nicht zu tief gepflanzt werden, denn bei der Knolle, die wir vom Kohlrabi hauptsächlich verspeisen, handelt es sich um das verdickte Hypokotyl. Und dies sollte oberhalb der Erde stehen. Mais und Tomaten hingegen schadet es nicht, wenn die Keimblätter mit Erde bedeckt sind. Ihnen hilft eine leichte Stabilisierung beim späteren Wachstum. Andere Kulturen wie Erbsen und Kartoffeln vertragen sogar das Anhäufeln gut. Staudensellerie und Spargel werden auf diese Weise gebleicht.

Nach der Keimung entwickeln sich alle Gemüse artspezifisch. Die einen stecken ihre Energie in die Bildung von Wurzeln, andere investieren in Sprosse, Blätter, Blüten und Früchte. Das alles hat einen einfachen Grund: Überleben. Dazu brauchen sie Licht und Platz, müssen Konkurrenten ausschalten, sich gegen Schädlinge wehren, Verletzungen, Dürrezeiten, Hitze- und Frostperioden überstehen, kurz: möglichst schnell wachsen und dabei Reserven für schlechte Zeiten bilden. Schließlich wollen sie sich fortpflanzen und vermehren – und der Kreislauf beginnt von neuem.